Neue Gesetze für Verpackung: Der Schlüssel zur Nachhaltigkeit?

Herr Dr. Christian Lutzky von der Firma Winkler & Schorn stellte in der Agendasitzung am 15. Juli die gesetzlichen Neuerungen für Verpackungen vor. Seit 3.7.2021 gilt die Einwegkunststoff-Verbotsverordnung, die EU-weit z. B. Plastik-Strohhalme und bestimmte Styroporschalen verbietet, und die Einwegkunststoff-Kennzeichnungsverordnung, die Warnlogos auf Produkten verlangt, bei denen man nicht sofort sieht, dass sie Kunststoff enthalten.

Bei beiden Verordnungen wird der Effekt in der Praxis noch ein wenig auf sich warten lassen, da Altbestände bei den Unternehmen aufgebraucht werden dürfen, um einwandfreie Verpackungs­materialien nicht unnötig direkt in Abfall zu verwandeln.

Zum 1.1.2022 wird dann die 1. Novelle des Verpackungsgesetzes kommen, die viele Plastiktüten (zwischen 15 und 50 my-Stärke) verbieten wird. Hier wird es keine Übergangsfristen geben.

Am 1.1.2023 tritt dann die Mehrwegpflicht für Getränke und Essen „To Go“ in Kraft, die verlangt, dass immer auch eine Mehrweg-Verpackung ohne Aufpreis angeboten werden muss.

Lücken in den Gesetzen

Leider sind die Verordnungen und Gesetze handwerklich richtig schlecht umgesetzt, so dass sich zahlreiche Grauzonen ergeben werden: So wurden zum 3.7. zwar Klappschalen aus dem Styropor-Typ „EPS“ verboten, solche aus dem absolut vergleichbaren Styropor-Typ „XPS“ jedoch nicht. Außerdem werden Abfüller dazu motiviert, quasi nicht zu recycelnde Verbundstoffe einzusetzen statt leicht zu sortierende (und zu recycelnde) Verpackungen aus nur einem Material. Beim Plastiktütenverbot berichtete Dr. Lutzky, dass viele seiner Kunden ihre Tragetaschen jetzt einfach viel stärker machen lassen, so dass sie vom Verbot nicht betroffen sind – selbst, wenn dadurch viel mehr Kunststoff verwendet wird als vorher. Auch das Verbot von Stärkeblends, wie z.B. Mater-Bi, aus dem derzeit schon viele Tragetaschen gemacht werden, und die rückstandslos kompostieren, ist überhaupt nicht zielführend.

Vom Gesetzgeber wäre statt juristischer Detailverliebtheit viel mehr Fachkunde zu wünschen gewesen.

Wirklich nachhaltig?

Anschließend wurde erarbeitet, was im Verpackungsbereich wirkliche Nachhaltigkeit ist. Das beginnt bei klassischen Kriterien wie „Reduce – Reuse – Recycle“ (Reduzieren – Wiederverwenden – Recyceln), aber endet dort nicht. Auch die Kompostierbarkeit, der Ressourcenverbrauch bei der Produktion und ethische Kriterien dürfen nicht vergessen werden.

Empfehlungen

Aus dem intensiven Gespräch ergab sich als interessante Erkenntnis, dass ein Verzicht auf Plastik nicht immer zwingend Sinn macht. Denn wenn eine Kunststoffverpackung durch einen Verbund (zum Beispiel eine mit Kunststoff beschichtete braune Pappschale) ersetzt wird, hat das insgesamt einen negativen Effekt für die Umwelt: Die Verbundverpackung kann nämlich oft nicht getrennt werden, und wird dann zwangsläufig verbrannt. Eine reine Kunststoff-Verpackung kann in der Regel wenigstens recycelt werden.

Neben diesem Verzicht auf Verbundverpackungen, wo es geht, ist aber natürlich ganz zentral, dass Verpackungen, gerade solche aus Kunststoff, keinesfalls in der freien Natur landen dürfen. Denn dort werden sie über die Zeit zu Mikroplastik zerfallen, und eine Last für künftige Generationen.

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